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In Berlin führt die ungleiche Entwicklung städtischer Quartiere zu Segregationsprozessen. Die Vertiefung sozialräumlicher Ungleichheit ist häufig die Folge. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger entwickeln vor diesem Hintergrund maßgeschneiderte Strategien zur Verfolgung ihrer Interessen. Diese individuellen Strategien zu beleuchten und sie auch für die Stadtentwicklungspolitik fruchtbar zu machen, ist ein wichtiges Ziel des Forschungsprojekts.
In unterschiedlichen Teilprojekten wird untersucht, wie lokale Akteure sich sozialräumlich vernetzen, in welcher Form sie ökonomisch verankert sind und welche sozialen, kulturellen und ökonomischen Versorgungssituationen sie im Einzelnen repräsentieren. Die Forschungsgruppe bewegt sich somit auf verschiedenen Ebenen des städtischen Alltags: Sie untersucht prekarisierte Gruppen, z.B. Kinder, Jugendliche, Familien oder ältere Menschen jenseits – aber vernetzt mit – der offiziellen Stadtpolitik. Dabei werden Lebens- und Arbeitsformen in Charlottenburg, Neukölln, Lichtenberg oder Pankow vergleichend analysiert.
Insgesamt wird der Projektverlauf als eine wissenschaftlich basierte Anstiftung von bürgerschaftlicher Lebendigkeit verstanden. Mit den Erkenntnissen sollen weitere Entwicklungs- und Vernetzungsmöglichkeiten ausgemacht werden.

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Berlin-Hellersdorf, Foto: Schubert

Zentrale Fragen im Projekt lauten:
Welche Lebensformen verbergen sich in den ausgewählten Milieus jenseits der offiziellen Stadtentwicklungspolitik?
Liegen auf der alltäglichen Ebene der Stadt endogene Potenziale brach, die es anzuerkennen und zu stärken gilt?
Versteht man die Stärkung bürgerschaftlicher Lebendigkeit als performativen Akt, so stellt sich die Frage, welche Potenziale, Beteiligungskulturen, Netzwerke und Versorgungsstrukturen dabei entstehen. Nicht zuletzt interessiert die Frage: Was geschieht auf der institutionellen Ebene der Stadt-, Bezirks- und Quartierspolitik, wenn Bürger – aufgrund ihrer vielfältigen Interessen und Bedürfnisse – die Gestaltung ihres Lebensraumes deutlicher mitbestimmen?

Handlungsleitende Bausteine sind zusammengefasst:

a) die Akzeptanz endogener Potenziale zur Gestaltung eines je „eigenen Lebens“ jenseits – aber vernetzt mit – der offiziellen Stadtpolitik;
b) die Beachtung von verschiedenen Altersgruppen bei der Lösung ihrer Alltagsprobleme;
c) der Einbezug der Konzepte von Resilienz, Identitätsbildung und Selbstverantwortung;
d) die Akzeptanz bürgerschaftlichen Widerstands gegen soziale Ausgrenzung;
e) die Stärkung endogener Potenziale gegen den weiteren Zerfall zurückgebliebener Stadtbereiche;
f) die Anerkennung der Verteilungswirkungen ehrenamtlicher Einrichtungen und subsistenter Ökonomien sowie
g) die vergleichende und netzwerkförmige Analyse unterschiedlicher Lebens- und Arbeitsformen in lokalen Milieus.

Die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis förderte das Forschungsprojekt vom 1.4.2008 bis 31.3.2010.


Eigensinnige Geographien

Das Buch ist Ergebnis des Forschungsprojekts, das die Stiftungsgemeinschaft bis 2010 förderte. Die Herausgeber Bastian Lange und Malte Bergmann im Gespräch mit DRadio Wissen.